„Hohò Trieste / città del mondo...“: Triest – eine Stadt zwischen Traum und Trauma

 Abstract:
Carolus Cergolys „Hohò Trieste“ ist ein vielzitiertes Gedicht mit betont historischer Referenz. Sein Thema ist ausgerichtet an einer verloren gegangenen und in der Retrospektive verklärten k&k Monarchie, deren kollektivsymbolisches Potential sich durch den gesamten Triestdiskurs hindurchzieht. Im Verweis auf die glorreichen Zeiten des habsburgischen Emporiums und der damit einhergehenden Immigration wird sehr oft ein Bild von Triest entworfen, das „eigentlich“ und „ursprünglich“ multikulturell und weltoffen ist. Eine Stadt „des sì und da und ja“, die allerdings mit schmerzbehafteten Begegnungs-Bildern einhergeht, die an der Nahtstelle zwischen Traum und Trauma angesiedelt sind. Die Jahre des Finis Austriae sowie die nachfolgende Epoche der ethno-nationalistischen Auseinandersetzungen, welche die heutigen Einstellungen und Mentalitäten in Triest geprägt haben und nach wie vor prägen, spielten hier eine nicht wegzudenkende Rolle. „Lieben wir einander? Oder sind wir nur zwei Sterne, die über dieselbe Landschaft wandern?“, fragt sich in einem seiner schönsten Texte, in den „Hellen Akkorden des Klaviers“ („Svetli akordi klavirja“), der bedeutendste Avantgardelyriker slowenischer Sprache Srečko Kosovel (1904-1926).

Im Beitrag soll genannten Themenbereichen näher nachgespürt werden. In diesem Kontext wird auch aufgezeigt, dass die 1920er Jahre von Triest nicht nur die Jahre des triumphierenden Faschismus waren, sondern auch die „Jahre der Psychoanalyse“ (G. Voghera), die die triestinische Kultur- und Literaturszene maßgeblich beeinflusste. Nicht zuletzt werden die Zugehörigkeiten zu transkulturellen bzw. hybriden Identitäten skizziert und darauf geachtet, dass dabei sowohl italienische als auch slawische/slowenische Autoren in den Mittelpunkt der Triest-Analyse gerückt werden.

Dr. Marija Jurić Pahor:
Marija Jurić Pahor studierte Pädagogik, Soziologie und Anthropologie an den Universitäten Klagenfurt und Ljubljana. Sie ist Research Advisor am Inštitut za narodnostna vprašanja / Institute for Ethnic Studies in Ljubljana und lebt seit 1989 hauptsächlich in Triest. In den Jahren 2008-2011 leitete sie ein Forschungsprojekt, das sich mit Fragen der Konstituierung neuer nationaler und ethnischer Identitäten im Alpen-Adria-Raum beschäftigte. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Minderheiten (insbesondere SlowenInnen in Kärnten und in Italien), nationale und ethnische Identität, Transkulturalität, Hybridität, Faschismus, Nationalsozialismus, Gedächtnis und Trauma.

Ausgewählte Publikationen:

  • Auf der Suche nach hybriden Lebensgeschichten: Theorie – Feldforschung - Praxis (Hg. gemeinsam mit Elka Tschernokoshewa), Münster 2005.
  • „Transkulturation und Hybridität im Spiegel der Migration: das Beispiel Triest, in: G. Vorderobermeier, M. Wolf (Hg.): „Meine Sprache grenzt mich ab...“: Transkulturalität und kulturelle Übersetzung im Kontext von Migration, Wien, Münster 2008, 127-146.
  • „Hidden identities within national minority groups: the case of Slovenes in Carinthia and in the Province of Trieste“, in: Ch. Promitzer, K.-J. Hermanik, E. Staudinger (Hg.): (Hidden) minorities: language and ethnic identity between Central Europe and the Balkans, (Studies on South East Europe, vol. 5), Wien, Berlin 2009, 35-58.



Datum: 
02.02.2012
Referent: 
Dr. Marija Jurić Pahor (Institute for Ethnic Studies, Ljubljana); Einführung: Dr. phil. Alenka Barber-Kersovan, Leuphana Universität Lüneburg

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