Jeans and Rock’n’Roll. Triest in der serbokroatischen Literatur

Vortrag von Dr. Sead Porobić am 15.12.111 (Foto: Monika Pemič)Dr. Sead Porobić studierte jugoslawische Literatur(en) und serbokroatische Sprache an der philosophischen Fakultät der Universität Sarajevo. Er schreibt Poesie und Kurzprosa. 2001 veröffentlichte er den Gedichtsband Pjesme od nemira. Im Jahr 2008 promovierte er in Hamburg mit der Studie „Die Entwicklung der Versifikation in der Poesie Bosnien und Herzegowinas“. Die Arbeit wurde 2010 in Zagreb bei ZORO veröffentlicht. Seit 2007 arbeitet Sead Porobić als Lektor und Lehrbeauftragter für serbokroatische Sprache am Institut für Slavistik der Universität Hamburg.

Abstract:

Die Stadt Triest prägte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tief ins kollektive Gedächtnis der jugoslawischen Bevölkerung auf unterschiedliche Weise ein. Die Jeans, dieser einfache Stoff mit Kupfernieten, der bis heute nicht aus der Mode kommen will und der zum wichtigen Artefakt der (Sub)kultur des 20. Jahrhunderts wurde, spielte dabei eine wesentliche und verbindende Rolle.

Nach der Triest-Krise 1945 und dem Beginn des Kalten Krieges bleibt Triest für die Jugoslawen zunächst jenseits des Eisernen Vorhangs. Das ändert sich aber in den 60er Jahren, als die Jugoslawen die Möglichkeit und Mittel zum Reisen erhalten.

Mit der Öffnung des Landes kommen die Jugoslawen wieder nach Triest, diesmal als Shopping-Touristen, und entdecken die Jeans. Diese Entdeckung wird eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der (Sub)Kultur in Jugoslawien spielen. Es entwickelt sich eine besondere urban- und jugendorientierte Literatur, die Aleksandar Flaker Jeans Prosa nennen wird.

Im Zuge dieser Entwicklung der Subkultur entfalten sich auch die Rockmusik und eine rege und reiche musikalische Szene in Jugoslawien.

Die Stadt Triest hat für die jugoslawische Bevölkerung während der 60er und 70er Jahre die Funktion eines Fensters zum Westen, wo man die Waren des modernen Lebens, aber vor allem Jeans kaufen kann. Triest wird zugleich zum literarischen Topos der modernen Kultur. Seit den 80ern wird dieses Geschäft zwar rapide abbrechen, jedoch nicht die Erinnerung an die Stadt.

Somit wurde die Stadt Triest für die Ex-Jugoslawen vom Einkaufs- zum Erinnerungsort.

Dieses Interesse an der Stadt Triest ist bis heute, auch nach Jugoslawien, ungebrochen, und es wird weiterhin sowohl in literarischen als auch in Musiktexten auf die „Stadt der Jeans“ rekurriert, und sie bleibt weiterhin im kollektiven Gedächtnis präsent.

 

Datum: 
15.12.2011
Referent: 
Dr. Sead Porobić (Institut für Slavistik, Universität Hamburg); Einführung und Diskussionsleitung: Monika Pemič (Institut für Slavistik)

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